Geschichte der ASG Teutoburger Wald - Die zweite Deutschlandstaffel

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Die zweite Deutschlandstaffel:  Vom Rhein bis zur Neiße

Die Öffnung der DDR- Grenze brachte ein neues Highlight in die Geschichte der ASG: Die zweite Deutschlandstaffel. Kaum begann die Mauer in Berlin zu bröckeln, da schmiedete man in der ASG bereits die ersten Pläne, nach der Deutschlandstaffel 77 , die von von Nord nach Süd führte nun auch von Westen nach Osten zu laufen. Eine Strecke, die sich am 52. Breitengrad orientierte und von Emmerich am Rhein bis nach Forst an der Neiße führte, ward bald erdacht und wurde in drei Vermessungsfahrten erkundet. So wie schon 1977 wurde wieder ein detailliertes Streckenprotokoll gefertigt, jedoch bei dieser Staffel die Gesamtdistanz in Etappen auf Marathonlänge (42,195 km) aufgeteilt. Wieder- so wie schon 1977- wurde der Ablauf generalstabsmäßig geplant und durchgeführt. ASG- Deutschlandstaffelläufer Horst Gehrmann – auf dem Rad geführt von Markus Dingenotto (verdeckt) und begleitet von Gastläufern aus Quedlinburg und Suhl- überquert bei Bad Harzburg die innerdeutsche Grenze

Doch bei dieser Deutschlandstaffel war eines anders: Es ging in ein für uns bis dato fremdes Land. Also widmeten sich vor allem die Läufer, welche für die DDR- Etappen eingeteilt waren, schon vorher ihrem Steckenabschnitt. So besuchte beispielsweise Burkhard Wodtke, der die Betreuung der Bode-Etappe übernommen hatte, mit seinem gesamten Team vorher bereits die Bürgermeister der zu durchlaufenden Ortschaften, was später beim Ablauf der Staffel zu einem volksfestähnlichen Fluidum auf der Strecke führte.

Am frühen Morgen des 6. April 1990 senkte der Bürgermeister von Emmerich am deutsch niederländischen Schlagbaum bei Bimmen die Flagge zum Start. Und dann ging es 768 Kilometer lang über 18 Marathonetappen bis zum deutsch-polnischen Grenzstein an der Neiße bei dem Örtchen Kleinbademeusel. Am 7. April, nachts um 02,oo Uhr passierte die Deutschlandstaffel das Rathaus der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock, wo man ihr eine Grußbotschaft an den Oberbürgermeister von Cottbus mitgab. Insgesamt wurden 32 ASG- Läufer eingesetzt; manche Etappen waren zu zweit oder zu dritt besetzt. Insgesamt liefen 500 Gastläufer Teilstücke der Staffel mit. Der ADN berichtete über 10 000 Zuschauer auf dem Gebiet der damals noch bestehenden DDR. Eindrucksvoll wurde die Aufholjagd der jungen ASG-Läufer im letzten Streckendrittel, nachdem die Staffel vorher durch ständigen Gegenwind mit ihren Planzeiten ins Minus gekommen war.
Ein grandioses Finale erwartete die Staffel nach 61 Stunden und 56 Minuten an der Neiße. Die Bürger von Kleinbademeusel hatten ein Volksfest mit Musik, Fackeln und Transparenten vorbereitet, als die  Schlussläuferin Bettina Dingenotto spätabends am Grenzstein anschlug. Die Deutschlandstaffel war mehr als ein sportliches Ereignis; sie wurde zur menschlichen Begegnung zwischen Ost und West.
Das ASG-Team am Ziel der Deutschlandstaffel 90, an der Neiße bei Kleinbademeusel