Bahnläufe unter Hygienekonzept

Rückkehr zum einstigen Klassiker „Fünftausend“

Während der Nachkriegsjahre bis zum Ende der „Sechziger“ war der 5000m-Lauf der anerkannte Klassiker in der damaligen Läuferwelt. Nicht nur beim Paderborner Osterlauf, wo neben dem 25 km -Straßenlauf auch stets ein bestens besetzteer „Fünftausender“ auf der Aschenbahn ausgetragen wurde, sah man überall im Land ansehnliche Läuferfelder auf den zwölfeinhalb Stadionrunden. Der anfänglich gern zitierte Satz: „Da kriegst‘e ja nen Drehwurm bei so vielen Bahnrunden“, verlor bald seinen Bedeutung, als die Langstreckler mehr und mehr erkannten, wie fetzig solch ein „Fünfer“ sein konnte, wenn da nur das passende Läuferfeld zusammen kam und „die Post so richtig abging“.

Später als die Volkslaufwelle über das Land schwappte und der Laufsport in den Stadien immer mehr durch mächtige 10 000m- Läuferfelder in der freien Landschaft abgelöst wurde, verlor der Stadionklassiker „Fünftausend“ sehr schnell an Beliebtheit. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung waren die damaligen Funktionäre der Leichtathletik und einige Lauftrainer, welche die großartige Chance der Volkslaufszene für die Leichtathletik nicht erkannten und die Volksläufe arrogant als eine Art „Zirkusspektakel“ abqualifizierten, wo richtige Läufer nicht hingehörten. Sie verloren durch diese Einstellung nicht nur ihre Läufer sondern auch den einst so beliebten Stadionklassiker „Fünftausend“, welcher in der Region bald nur noch selten mit kümmerlichen Läuferfeldern um die Bahnen dümpelte. Die später mehr und mehr eingeführte Praxis bei den Volksläufen, eine 5 km-Strecke als Einsteigerlauf anzubieten, kam gelegentlich zwar ganz gut an, aber das Ansehen und die Klasse des einstigen „Fünftausenders“ erreichten diese Läufe bisher nicht.

Auf der Bahn muss man den Rhythmus der Konkurrenten nutzen, um möglichst lange ein optimales Tempo zu halten. Da heißt es: “dranbleiben!“! Hier eine von Peter Brand ( Nr.456 ) angeführte Läufergruppe im 4. Zeitlauf Foto: Norbert Distelrath

Ausgerechnet die Coronazeit, die so manchem begeisterten Läufer die Sportart vergraulte, scheint dem „Stadion- Fünftausender“ wieder auf die Beine zu helfen. Für uns von der ASG Teutoburger Wald und vom „Vereinsübergreifenden Bahntraining“ gaben die Nachbarn von LC Solbad Ravensberg den entscheidenden Impuls. Der abschließende A- Lauf in Borgholzhausen, bei dem unsere eigenen Asse Thomas und Christoph erfolgreich mitmischten, gab den letzten Ausschlag dafür, mit unserem eigenen kleinen Team einen Läuferabend unter Hygienekonzept im eigenen Stadion zu wagen.  

Die Vorbereitung einer LA-Veranstaltung jetzt in der Corona-Zeit, hat im Vergleich mit dem, was wir bisher kannten, seine eigenen Regeln. Zuerst muss man ein für die gegebenen Verhältnisse gut durchdachtes Hygienekonzept nach den Vorgaben des Fachverbandes erstellen und die örtliche Behörde davon überzeugen, dass die geplante Veranstaltung nach dem erstellten Konzept real durchführbar ist und auch so durchgeführt wird. Ein solides langzeitig aufgebautes Vertrauensverhältnis zu den örtlichen Behörden ist dabei eine wichtige Voraussetzung. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man mit den Verantwortungsträgern der Kommunalverwaltung eine Art Vertrag abschließt, den man einhalten kann und auch ehrlich einhalten will. Schließlich haben die Ämter in diesen Zeiten eine nicht zu unterschätzende Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, was sie genehmigen oder nicht genehmigen.  

Wir bekamen nach einer Woche bangen Wartens von unserem Ordnungsamt die Genehmigung und legten los. Was die Werbung zur Teilnahme betrifft, da rannten wir bei den wettkampfhungrigen Läuferinnen und Läufern praktisch offene Türen ein. In kurzer Zeit war die Meldeliste für die fünf ausgeschriebenen Läufe a 12 Teilnehmer ausgebucht und eine lange Nachrückerliste schloss sich an. Viele – so auch zwei nachbarlich gelegene bedeutende LA-Vereine - unterschätzen den Laufhunger der coronagebeutelten Ostwestfalen und kamen mit ihren Teams zu spät. Einige Freiplätze durch Ausfälle konnten wir noch besetzen, doch dann ging nichts mehr. 

Eine etwas frustige „Herumeierei“ wurde die im Hygienekonzept vorgesehene bargeldlose Abwicklung der Startgeldzahlung. Der Satz:“ Ich kann Euch doch butz eben einen Fünfer in die Hand drücken“, war logisch kaum widerlegbar. So wird man gespannt sein, welche Erfahrungen die Bielefelder bei ihrer baldigen Veranstaltung mit ihrer wechselgeldlosen Startgebührenzahlung vor Ort machen.  

Entscheidend wird hier sein, wie fair sich die Läufer diesbezüglich verhalten. „Kurz mal eben anmelden, und dann schau ‘n ob es mir am Wettkampftag gerade passt oder nicht ,“ wäre die denkbar schlechteste Lösung, die im Extremfall ein Chaos in der Besetzung der Läuferfelder produzieren könnte. Wenn man da vor Ort aus unbesetzten Läuferplätzen und spontanen Nachmeldern noch etwas zusammenschustern will, dann schadet man letztlich unserem Sport, denn ein Läuferfeld, bei dem die Leistungsunterschiede der Konkurrenten extrem unterschiedlich sind, ist für Läufer wie Zuschauer einfach nur „doof“. Beim Bahnlauf muss „ so richtig die Post abgehen“, wie man es bei ;Läufer gern ausdrückt. Die Voranmeldepflicht mit korrekter Angabe des aktuellen Leistungsvermögens gibt uns die Chance, dieses zu realisieren. Verspielen wir diese Chance nicht! 

Wir hatten bei uns im Ölbachstadion das Glück, dass recht ausgeglichene Läuferfelder interessanten wie spannenden Sport boten. Nur beim taktischen Verhalten einiger Konkurrenten sah man noch einigen Nachholbedarf Vielleicht wird uns hier die ansonsten frustige Coronazeit mit weiteren Bahnlaufveranstaltungen unter Hygienekonzepten helfen. Bahnläufe und Volksläufe könnten nach überstandener Krise vielleicht wieder etwas mehr Gleichgewicht in ihrer Wertigkeit bekommen. Beide haben unbestritten ihre eigenen Reize, die unseren Laufsport in seiner Gesamtheit liebenswert machen. Geben wir also dem klassischen Bahnlauf in dieser gewiss nicht einfachen Zeit die Chance einer Wiederbelebung, die er zweifellos verdient hat!  

Bilder vom Läuferabend (Fotos: Norbert Distelrath)